Grußwort

2019 jährt sich der Geburtstag des Bauhauses zum 100. Mal; und er wird nicht nur in Deutschland, sondern weltweit mit Ausstellungen, Festivals, Forschungsprojekten und Symposien gefeiert. Das internationale Eröffnungsfestival, das vom 16. bis 24. Januar in Berlin stattfindet, konzentriert sich auf die Produktion und Präsentation von Werken zeitgenössischer Künstler*innen, in denen die ästhetischen Fragestellungen und Experiment-Anordnungen der Bauhaus-Künstler weiter virulent sind. Das Bauhaus und die Bauhausbühne waren der Ort, an dem das Abenteuer, seiner Zeit voraus zu denken, die Chance, zu experimentieren - und auch das Risiko, dabei zu scheitern - gelebt wurden. Dies in einer Zeit, als der Schock des 1. Weltkriegs tief saß, gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Rechts und Links das öffentliche Leben prägten, und sich in Kunst und Kultur das Konzept eines international gedachten Aufbruchs in die Moderne gegen einen zunehmend rückwärtsgewandten, nationalistischen und zuletzt faschistischen Kunstbegriff behaupten musste.

Die Bühne als Werkstatt und Forschungslabor zu verstehen, als internationale und interdisziplinäre Begegnungsstätte, Vermittlungs-, Spiel- und Regenerationsraum und als gesellschaftspolitisches Forum, wie sie Oskar Schlemmer, Kurt Schmidt, Vassily Kandinsky, Lyonel Feininger, Paul Klee, László Moholy-Nagy und andere jeweils auf unterschiedliche Weise konzipiert haben, ist heute State of the Art. Genregrenzen sind gefallen, digitale Medien, modernste Technologie, Diskurs und Wissenschaft haben Einzug ins postdramatische Theater gehalten. Wie heutige Künstler*innen das Potenzial des interdisziplinären Arbeitens ausloten, wie sie die Funktion des Performativen befragen, das Mit- und Gegeneinander von Text und Sprache, das Zusammenspiel von Raum und Licht, Bewegung, Musik, Körper und (Bühnen-) Architektur ästhetisch nutzen - das an exponierten künstlerischen Positionen beispielhaft aufzuzeigen, hat sich das Festival zum Ziel gesetzt. Drei Rekonstruktionen herausragender Bauhaus-Produktionen setzen am Schluss des Festivals den historischen Referenzpunkt.

Bettina Wagner-Bergelt
Künstlerische Leiterin

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