Christian Boltanski
Théâtre d’ombre, 1989

Erinnerung und Vergänglichkeit sind die großen Themen Christian Boltanskis. Wann werden wir aufgehört haben zu existieren? Wann wird die Erinnerung an uns erloschen sein? Seit Jahrzehnten befragt er wie kein anderer Künstler im internationalen Kontext den Zusammenhang von Leben und Tod – das Verschwinden des Einzelnen und das verzweifelte Bemühen der Menschen gegen das Vergessen und Vergessenwerden.

Boltanski Text 2

Christian Boltanskis Installation „Théâtre d’ombres“ gehört in die Reihe seiner Schattenspiele, die er seit 1984 in verschiedenen Formen und Dimensionen präsentiert. Mit einfachen Mitteln versetzt Boltanski den Betrachter in eine zwischen Heiterkeit und Melancholie oszillierende Stimmung. Wie so oft in seinen Installationen findet man sich in einem Theater wieder, in dem man selbst Teil der Handlung wird. Die beweglichen Blechfiguren erzeugen ein wirres Geflecht an Schattenformen, die sich vergrößern und verkleinern und durch den ganzen Raum zu tanzen scheinen. Was entsteht, ist ein ephemeres Spektakel, das an die Tradition der mittelalterlichen Totentänze erinnert. In einem Interview mit Doris von Drathen beschreibt Boltanski seine Faszination für Schatten: „Von einem Augenblick zum anderen können die Schatten verschwinden. Sobald die Scheinwerfer oder die Kerzen verlöschen, ist nichts mehr da. Der Schatten ist fragil, er ist nicht greifbar.“(1)

(1) Christian Boltanski in: Doris von Drathen, „Der Clown als schlechter Prediger. Gespräch mit Christian Boltanski. Paris, im Dezember 1990“, in: Ausst.-Kat. Christian Boltanski. Inventar, hrsg. von Uwe M. Schneede, Ausst.-Kat. Hamburger Kunsthalle, Hamburg 1991, S. 53–77, hier S. 75.

Mit freundlicher Unterstützung der Galerie Kewenig, Berlin, und dem Kunstmuseum Wolfsburg, Dr. Holger Broeker.

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