Jan Tichy

Installation no. 30 (Lucia)

„Installation No. 30 (Lucia)“ ist angeregt durch Leben und Werk von László Moholy-Nagy und der Fotografin Lucia Moholy, seiner ersten Frau. Die künstlerisch-experimentellen Praktiken der beiden Moholys am Bauhaus in Dessau, ihre Flucht nach London und im Falle von László der Weg in die USA nach Chicago, verbinden sich mit Jan Tichys Erfahrungen in Deutschland im Sommer 2016, als eine große Anzahl flüchtender Menschen nach Deutschland kam, zu einer eindrucksvollen Rauminstallation:

Im Zentrum einer fragilen Konstruktion aneinander lehnender, sich gegenseitig stützender Glasplatten sind die Umrisse der Bauhaus-Meisterhäuser in Dessau erkennbar. Beleuchtet und in Szene gesetzt von einem Beamer, der einer computergesteuerten Lichtregie folgt, wandert Moholy-Nagys „City of Glass“ aus dem Jahr 1936 als Schattenspiel über die Wände des Ausstellungsraumes. Gleichzeitig erinnert die Installation an Lucias Fotografien aus der Dessauer Zeit, die unser Bild vom Bauhaus ganz entscheidend geprägt haben. Bei ihrer Emigration 1933 musste sie all ihre Negative auf Glasplatten in den Formaten 18 x 24 cm und 9 x 12 cm in Deutschland zurücklassen. 330 ihrer Glasplattennegative gelten als verloren – weshalb Jan Tichys Installation mit ebenso vielen Glasplatten in ebendiesen Formaten arbeitet.

Obwohl sie nicht mehr als den einen oder anderen Fingerabdruck des Künstlers zeigen, tragen sie potenziell alle denkbaren Bilder in sich. Das singuläre Schicksal von Lucia Moholy steht damit stellvertretend für die namenlosen Schicksale der Menschen, die bis heute vor Krieg, Gewalt und Verfolgung fliehen und dafür ihr bisheriges Leben aufgeben müssen, um in der Fremde mit nichts als ihrem nackten Leben neu anzufangen.

Mit freundlicher Unterstützung der Galerie Kornfeld, Berlin.

Galerie Kornfeld
Jan Tichy: Installation No. 30: Lucia. Courtesy of Galerie Kornfeld
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