Tim Otto Roth

Sun on Stage

Flache geometrische Figuren wandern in einer Panoramaprojektion über die 13 Meter breite Stirnwand der Halle 3. Erst beim Aufsetzen einer 3D-Brille werden die Betrachter*innen eines äußerst subtilen räumlichen Spiels gewahr: Die formal flachen Objekte scheinen vor der Projektionsfläche zu schweben, Rechtecke werden nicht nur größer und kleiner, sondern verändern ihre Tiefendistanz zueinander. Dieses Spiel mit geometrischen Figuren erinnert an die Rhythmusfilme von Hans Richter aus den 1920er Jahren, aber auch Anspielungen zu Ludwig Hirschfeld-Macks Farblichtspiel, Oskar Schlemmers Schattenspiele und Moholy-Nagys Lichtrequisit für elektronische Bühne (später auch als „Licht-Raum-Modulator“ bezeichnet) sind zu erkennen.

Sun on Stage

Das von dem Konzeptkünstler und Schattenforscher Tim Otto Roth entwickelte schatten-morphotische Raumspiel greift somit Anregungen der Bauhausästhetik auf, entwickelt aber im Spiel mit den geometrischen Formen eine neue Dimension. Gibt sich doch Sun on Stage nicht mit der zweidimensionalen Verfasstheit von Schatten zufrieden, sondern lässt durch die Doppelprojektion mit rotem und blauem Licht den inhärent im Schatten angelangten Raum als dreidimensionale Figur greifbar werden.

Tim Otto Roth, imachination projects 2018

Tim Otto Roth

Dank Computeranimation treibt Roth das Spiel sogar noch in höherdimensionale Räume fort: Die Serie der projizierten geometrischen Körper umfasst auch vierdimensionale Körper, wie den Hyperwürfel, mit dem sich auch Theo van Doesburg bereits beschäftigte. In einer räumlichen Spur wird schließlich auch die Dimension der Zeit verdichtet, indem sich ganze Bewegungsabläufe zu Schattenfigurinen komponieren.

Sun on Stage macht sich für eine Schattenart stark, die bei all der Euphorie für das künstliche Licht, wie sie auch am Bauhaus herrschte, in der Neuzeit zusehends aus dem Blick geriet: das natürliche Licht der Sonne. Das Kunstwerk führt auf faszinierende Weise vor Augen, dass Schatten im parallelen Licht der Sonne auf gänzlich andere Weise perspektivisch funktionieren.

Eine Auftragsproduktion von 100 jahre bauhaus. Das Eröffnungsfestival. mit Tim Otto Roth; besonderer Dank gilt Peter Weibel, ZKM, Karlsruhe.

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